An einem Sommerwochenende versammeln sich in einem Londoner Park mehrere hundert Menschen in Tweedanzügen, Seidenkleidern und Strohhüten, um bei Disziplinen wie dem Regenschirm-Fechten, dem Zigarettenpfeifen-Weitwurf und der „Tea Pursuit“ anzutreten. Das ist die Chap Olympiad, gegründet 2005 vom Magazin The Chap und seither ein fester Termin für Freunde altmodischer Eleganz.
Woher es kommt
The Chap erschien erstmals 1999, gegründet von Gustav Temple, als satirisches Magazin, das den „anarcho-dandyism“ predigte: Höflichkeit, Tweed, Pfeife und gepflegte Sprache als Protest gegen Freizeitkleidung, Fastfood und Hektik. 2004 zogen die Herausgeber mit dem „Civilise the City“-Protest vor Sportbekleidungsläden und Kaffeeketten in Londons Oxford Street und forderten Anzugpflicht. Die Olympiad war die logische Fortsetzung: ein Sportfest, bei dem sportliche Leistung ausdrücklich verpönt ist.
Die Disziplinen
Das Programm wechselt, einige Klassiker kehren immer wieder. Beim Umbrella Jousting fahren zwei Herren auf Fahrrädern aufeinander zu, den Regenschirm als Lanze, den Aktenkoffer als Schild. Beim Hop, Skip and G&T gilt es, mit einem vollen Gin Tonic über die Bahn zu hüpfen, ohne zu verschütten. Beim Moustache Tug of War ziehen zwei Männer an einem Band, das an ihren Schnurrbärten befestigt ist. Dazu kommen der Pipe Smokers‘ Relay, das Bounder Hunting und die Cucumber Sandwich Discus. Punkte gibt es für Stil, Haltung und Humor, nicht für Geschwindigkeit; Schiedsrichter dürfen bestochen werden, sofern es mit Charme geschieht.
Was dahintersteckt
Die Veranstaltung ist ein Spiel mit der Vorstellung vom englischen Gentleman, aber kein reines Kostümfest. Sie steht in der Tradition des Dandys von Beau Brummell über Oscar Wilde bis zu den Teddy Boys: Kleidung als Haltung, Manieren als Widerstand. Gleichzeitig verspottet sie den Ernst des Sports und den Kult um Fitness. Ähnliche Feste gibt es inzwischen in mehreren Ländern; die Original-Olympiad findet weiterhin in London statt, nach Stationen in Bedford Square und Bloomsbury zuletzt in verschiedenen Londoner Parks.
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